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fremdes heim

es gibt eine unterkategorie des sterbens und des gefuehls in diesem gebaeudetrakt. wenn sie ihre aufmerksamkeit nach links richten, werden sie feststellen, dass die wandstrukturen aeusserst duester und verfallen aussehen. in etwa zwanzig meter hoehe erreichen sie das dach, das sie von hier aus nicht sehen koennen.

duenne stahltraeger und etliche kleine leitern fuehren dort nach oben. wenn sie erst einmal oben sind, werden sie den ausblick genießen wollen. allerdings wird es dazu sicherlich nicht genuegend zeit geben. das gebaeude steht schon seit einigen jahrzehnten unter wasser und die stahlrohre tun ihr uebriges, dem ambiente einen bedrohlichen verfall vorauszusagen. sie wundern sich vielleicht, wenn sie oben angelangt sind, ueber all die gruenflaechen und die weiten wiesenwaelder; ueber die blendende, betaeubende schoenheit der sonnenstrahlen, die sie umfassen. sie wurden eigens aus fernen welten angebaut, um der ruhlosigkeit und oede des unterbaus eine art neue heimat entgegenzusetzen.

sind sie also hier fast auf der hoehe des wasserspiegels, der unentrinnbar immer weiter hinauf steigt, werden sie sicherlich bald feststellen, dass sich hier ein gefuehl aufhaelt, das noch zu eigensinnig ist, um diese welt in vollem ausmaß zu genießen. dieses gefuehl, lila und kreisrund, fuehrt mehrere strudel herbei, und wirbelt lauter ungewollte magische reste aus den abfaellen vergangener zeiten um sich herum. sie fragen sich vielleicht, wieso es das tut. doch die antwort wird wahrscheinlich nicht leicht ausfallen, und etwa im folgenden lauten, dass das verwundene gefuehl der eigensucht sich wohl einen strudel baut, um einerseits aus den tiefen wassermassen befreit zu werden - welche es sich jedoch nur einbildet - und andererseits wohl versucht, auf groeßt moeglichen abstand zu kommen von den tentakeln des unterbaus - um es heimlich dann moeglicherweise von innen zu uebernehmen. sozusagen am blinden fleck setzt sich neuerdings das verschundene eigenleben ab, um dort die wracks dieses alten gebaeudetrakts naeher zu durchforsten und - sei es moeglich - in seinem schaden unschaedlich zu machen.

wie dem auch sei, ist der fortgang unserer reise sicherlich auf dieser ebene noch nicht beendet. wennauch bis hierhin die tentakeln des unterseemonsters, das im innern des traktes wohnt, nicht reichen. und wennauch die monster, die sich tief innen in den labyrinthen eigentlich verbergen, unseren ausweg ins freie leben auf den daechern nicht sogleich nachvollziehen koennen. sie werden nachkommen, ueber den kamin den wir selbst gingen. sie werden das licht scheuen, aber sie passen sich an. so kamen bereits die ordnungsbeamten, staatssicherheitsorgane und instrumente im kampf gegen das freie leben immer wieder auf umwegen unseren spuren nach. es wird nur eine frage der zeit sein, bis auch dort oben, trotz der schoenheit dieser eingebetteten tiefwaelder, die polizeihubschrauber mit ihren scheinwerfern den fluechtling wieder auffinden auf auflesen.

es kam oefters schon vor, es waren blutige auseinandersetzungen dabei, teilweise verschleppungen in fremde, verlassene straßenwelten oder alte staedte, schulgebaeude, schoenheitssalons, mensen - eben all diese treffpunkte der menschen. es wird immer wieder geschehen und die kaempfe werden genuegend opfer mit sich tragen. allerdings werden sie so kein ende finden, da einerseits der fluechtling ein starker kaempfer sein muss, seine gegner im zaum halten wird und kann, andererseits er sich aber immer wieder in gerade solche welten hinein begeben oder verschleppt wird, in denen das territorium ausschließlich feindlichen ursprunges ist. es wird zu keiner entscheidung der schlachten fuehren. im schlimmsten, brenzligsten falle, wird der fluechtling doch wieder nur in ein nebenzimmer fluechten, wo er sich schnell in heilsamere welten katapultiert; wieder einmal durch den kamin hinauf.

doch letztendlich wird es auch wieder nicht einfach, fuer den fluechtling selbst, in die zimmer seiner kindheit zu fluechten. sodann findet er lauter hindernisse, die ihm seine wunden erneut aufkratzen, und die er sich dann wieder in langsamer muße selbst heilen muss. sie muessen wissen, dass es einige kriegsopfer hier gibt; zahlreich sind sie, man sieht sie nur meist nicht, da sie ueberall in dunklen ecken und verlassenen zimmern liegen. noch problematischer aber wird sein die tatsache, dass das leben hier noch keinen abschluss findet; und selbst der eigene eifer, und die macht des fliegens, sei es mit noch so viel trick und geschick, an das ende seiner kraefte oder des eigenen willens gelangen wird. es werden sozusagen die fremden gedanken der verhassten freunde sein, die einen am boden behalten wollen.

mit nur einem großen maß an vernarrtheit und verbissenheit werden sie es schaffen, sich davon wieder loszureißen, und muehevoll wieder die eigenen fremden schlafsaeele hinaufsteigen. ihr letzter verzweifelter wille fuehrt sie dann auch weiter vorbei an den feinden, endlich immer weiter hinauf. dort nun endlich werden die großartigen monster so klein gehalten und mit aller macht niedergetreten, dass sie kaum eine chance haben, ihnen zu folgen. und sie werden auf fahrstuehlen, um schneller dabei zu sein, ihre fremden gemaechter durchkreuzen, werden tresore aufschließen, und innerste, wertloseste geheimnisse pluendern. doch beachten sie die notizzettel und warnhinweisschilder, die sie vor einigen zeiten an sich selbst schrieben. sie werden wahrscheinlich nicht schlau daraus werden, und trotz allem ihren weg nach oben fortsetzen. dort nun endlich, wo sich unter ihnen die luke schließen wird, und jeder stoerenfried ausgeschlossen zu sein scheint. der dachboden ist alt und neu renoviert, ist aber auch noch nicht fertig. sie treten ueber die weißen styroporplatten, ueber die staubigen tuecher und sie durchschreiten luke um luke, immer hoeher.

und so steigen sie also weiter hinauf, ueber die letzten holzstufen und pfosten hinweg. sie werden sehen, dass das haus noch hoehere daecher in fremderen welten beherbergt. aber sie werden auch merken, dass die luft dort oben allmaehlich duenn wird, und ebensogleich auch die sicht. wenn sie nicht acht geben, treten sie ueber den rand einer welt, und treiben verlassen durchs all. oft schon ist es geschehen, und je weiter hinaus man dort trieb, umso eher verlangsamten sich auch die eignen gefuehle. stattdessen aber beginnt dort in der ferne ein langsamer verfall des eigenselbst, was nicht nur gefaehrlich, sondern auch ueber alle maßen erschreckend ist. das gefuehl kommt in etwa dem gleich, in immer hoeherer geschwindigkeit, auf immer steilerer ebene, am rande der welten zu sitzen, und darueber hinauszufallen.
die kalte luft dort draußen beunruhigt jedes fuehlende herz. sie werden sich daher nicht wundern muessen, wenn sie sobald kopfueber ueber den mittelpunkt ihres universums fliegen und in hastigem tempo bald auf einer verkehrten welt taumelnd wieder auf die erde zusteuern.

wo aber die reise enden wird, ist ihnen also sicherlich klar: sie werden selbst dazu kommen, neugierig, aber auch liebend, gewissenhaft aengstlich, letztendlich sterbend, zum boden zurueck zu kehren. mit einem stueck an erleichterung, und einem stueck aber auch an enttaeuschung. sie werden ihren feinden die haende schuetteln, die gehassten freunde werden sie kuessen und lieben, sie werden es sich dort wieder gemuetlich machen, und mit rot gluehenden augen im hintergrund wahrscheinlich bereit sein fuer alles, was sie sich vornehmen.

28.1.09 04:58
 


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